Hochschulen stehen weltweit unter wachsendem Druck, ihre Bildungsansätze zu überdenken, da gesellschaftlicher Wandel, Digitalisierung und Globalisierung neue Anforderungen an Absolvent:innen stellen.
In diesem Zusammenhang werden die Kompetenzen, die wir in der Zukunft benötigen vielfach diskutiert. Dafür werden verschiedene Begriffe verwendet wie „Future Skills“, „Zukunftskompetenzen“, „21st Century Skills“ oder beispielsweise „Next Skills“.
Future Skills werden definiert als ...
... Kompetenzen, die es Individuen ermöglichen, in hochgradig emergenten Kontexten komplexe Probleme in selbstorganisierter Weise zu lösen und erfolgreich zu handeln. Sie basieren auf kognitiven, motivationalen, volitionalen und sozialen Ressourcen, sind wertebasiert und können durch Lernprozesse erworben werden (Ehlers, 2020, S. 53).
Hochschule im Wandel: Warum Future Skills jetzt zählen
Angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Umbrüche steht auch die Hochschulbildung vor einem grundlegenden Wandel. In Creating the University of the Future (Ehlers & Eigbrecht, 2024) zeigen die Autor:innen auf, wie Bildung neu gedacht werden muss, um Menschen auf eine zunehmend unsichere und dynamische Welt vorzubereiten.
Im Zentrum steht das Konzept der Future Skills – Kompetenzen, die es ermöglichen, in offenen, oft unvorhersehbaren Situationen verantwortungsvoll, kreativ und selbstständig zu handeln. Klassische Bildungsmodelle mit Fokus auf reines Faktenwissen greifen hier zu kurz. Gefragt ist ein Paradigmenwechsel: der Future Skills Turn. Gemeint ist eine Bildung, die erfahrungsbasiert, handlungsorientiert und zukunftsgerichtet ist.
Future Skills umfassen ein breites Spektrum an Fähigkeiten, die über reines Fachwissen hinausgehen. Ehlers und Eigbrecht fassen sie in vier Kompetenzdimensionen zusammen:
    *  Kognitive Ressourcen 
    *  Motivationale Ressourcen 
    *  Volitionale Ressourcen 
    Soziale Ressourcen 
Der Weg in die Zukunft führt über Bildung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern Menschen dazu befähigt, Wandel aktiv zu gestalten.
Triple Helix Model
Zur Strukturierung dieser vielschichtigen Kompetenzanforderungen nutzen die Autor:innen das sogenannte Triple Helix Model. Es veranschaulicht, dass Future Skills nicht in isolierten Kompetenzfeldern entstehen, sondern im Zusammenspiel dreier Entwicklungsdimensionen:


Abbildung - eigene Darstellung: "Triple Helix Moel " 
© 2025 by Jasmina Džanić 

Dieses Modell macht deutlich, dass Future Skills nicht statisch sind, sondern sich prozesshaft und erfahrungsbasiert herausbilden und zwar dort, wo reale Herausforderungen aktiv bearbeitet werden. Die Ausbildung solcher Kompetenzen ist damit kein Nebenprodukt, sondern ein zentraler Baustein zukunftsorientierter Hochschulbildung, die auf Selbstwirksamkeit, gesellschaftliche Mitgestaltung und nachhaltige Problemlösung ausgerichtet ist.
Wie kann Bewertung zum Lernen werden und nicht nur zur
Leistungsüberprüfung?
Assessment als Lernprozess: Ein Paradigmenwechsel in der Hochschulbildung
​​​​​​​Die Hochschulbildung steht vor einem grundlegenden Wandel: Bewertung wird nicht mehr nur als Mittel zur Leistungsbeurteilung verstanden, sondern zunehmend als integraler Bestandteil des Lernens selbst. Dieser Ansatz – bekannt als „Assessment as Learning“ (AaL) – betrachtet Bewertung als aktiven Lernprozess, der die Eigenverantwortung der Studierenden stärkt und ihre Future Skills fördert.
Im Unterschied zu traditionellen Formaten (Assessment of Learning) oder unterstützender Bewertung (Assessment for Learning) zielt Assessment as Learning darauf ab, Studierende aktiv in die Reflexion ihres Lernprozesses einzubinden. Ziel ist es, nicht nur Wissen zu prüfen, sondern Kompetenzen sichtbar zu machen, die für eine komplexe und dynamische Zukunft entscheidend sind – wie Problemlösefähigkeit, Selbstregulation und Kooperationskompetenz.


Abbildung - eigene Darstellung: "3 Formen der Bewertung " 
© 2025 by Jasmina Džanić 

AoL, die heute am weitesten verbreitete Form, bewertet das Wissen der Studierenden meist summativ am Ende eines Kurses. Dabei liegt der Fokus vor allem auf dem Wissensstand, was die Motivation der Studierenden und die Möglichkeit zur Verbesserung ihrer Leistung nur wenig fördert. Aus diesem Grund eignet sich AoL nur bedingt, um lebenslanges Lernen zu fördern.
Im Gegensatz dazu wird bei AfL Bewertung als integraler Bestandteil des Lernprozesses verstanden, der die Motivation und Entwicklung der Kompetenzen der Studierenden unterstützen soll. Derzeit wird zunehmend gefordert, über AfL hinauszugehen und AaL stärker zu verankern, da es die Studierenden dazu bringt, während der Bearbeitung von Bewertungsaufgaben aktiv zu lernen, neue Kenntnisse zu erwerben und ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln.
AaL ist damit weniger eine reine Bewertungsmethode als vielmehr eine Lernstrategie, die Metakognition und Selbstregulation fördert und so lebenslanges Lernen ermöglicht. Ein zentrales Element ist dabei Feedback, das den Studierenden hilft, ihren aktuellen Stand zu erkennen, Fortschritte einzuschätzen und die nächsten Schritte zu planen.
Ein wichtiges Element von Assessment as Learning ist die studentische Selbsteinschätzung, die den Studierenden Verantwortung für ihren Lernprozess überträgt und Reflexion fördert. Die Begriffe Selbstreflexion, Selbsteinschätzung und Selbstevaluation werden in der Forschung unterschiedlich verwendet, haben aber gemeinsam, dass sie sich auf Rückmeldungen zur eigenen Leistung beziehen und die Entwicklung selbstregulierter Lernfähigkeiten unterstützen. Selbsteinschätzung lässt sich dabei als ein formativer Prozess verstehen, in dem Studierende ihre eigene Arbeit bewerten, Stärken und Schwächen erkennen und ihre Lernstrategien entsprechend anpassen. Zusammenfassend zeigt sich, dass die Integration von Assessment as Learning und studentischer Selbsteinschätzung in die Hochschulbildung ein wichtiger Schritt hin zu einer lernförderlichen und zukunftsorientierten Ausbildung ist, der die Entwicklung von Future Skills unterstützt. 
Damit dieser Wandel gelingt, braucht es einen systematischen Perspektivwechsel: weg von der reinen Wissensvermittlung, hin zu einer lernzentrierten Bewertungskultur, die Selbststeuerung und lebenslanges Lernen fördert. Hochschulen stehen hierbei vor der Herausforderung, passende Konzepte, Technologien und Strukturen zu etablieren und zugleich die eigene Haltung zur Bewertung grundlegend zu überdenken.

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