Die Messbarmachung der Kompetenz
In einer zunehmend komplexen, digitalisierten und dynamischen Arbeitswelt sind Kompetenzen der zentrale Maßstab für individuelle Handlungsfähigkeit. Im Unterschied zu Qualifikationen, die sich auf nachweisbare Abschlüsse und Wissen beziehen, zielen Kompetenzen auf die Fähigkeit, Wissen in konkreten, oftmals unvorhersehbaren Situationen selbstorganisiert anzuwenden (Erpenbeck & Heyse 2007). Diese Fähigkeit ist nicht direkt beobachtbar, sondern wird ausschließlich durch sichtbare Handlungen in realen Herausforderungen.
Die Messung von Kompetenzen verfolgt das Ziel, individuelle Entwicklung sichtbar zu machen, Bildungsqualität zu sichern und durch standardisierte Rahmenwerke, etwa den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR), eine internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten.
Kompetenzmodellierung als didaktisches Fundament
Die Modellierung von Kompetenzen ist ein analytischer, mehrstufiger Prozess, bei dem relevante Kompetenzen zunächst beschrieben, dann systematisiert und schließlich durch sogenannte Deskriptoren operationalisiert werden. Diese Deskriptoren beschreiben konkrete, beobachtbare Verhaltensweisen, anhand derer sich Kompetenzen in der Praxis zeigen lassen. Dadurch können Kompetenzen nicht nur bewertet, sondern auch gezielt entwickelt werden.
​​​​​​​Kompetenzverständnis nach Erpenbeck & Heyse
Ein weit verbreitetes Modell zur Strukturierung von Kompetenzen wurde von Erpenbeck und Heyse (2007) entwickelt. Darin wird Kompetenz als „Fähigkeit verstanden, in offenen, unüberschaubaren, komplexen, dynamischen und zuweilen chaotischen Situationen selbstorganisiert und kreativ zu handeln“ (Erpenbeck & Heyse 2007, S. 31).

Abbildung: Eigene Darstellung in Anlehnung an Erpenbeck & Heyse 2007: 
"4 Hauptkompetenzbereiche "  © 2025 by Jasmina Džanić 

Dabei unterscheiden die Autoren vier Hauptkompetenzbereiche.
Diese Struktur bildet die Grundlage vieler Kompetenzrahmen, da sie sowohl individuelle als auch berufliche Handlungsfelder differenziert abbildet.
Methoden der Kompetenzmessung
Zur Messung und Dokumentation von Kompetenzen kommen verschiedene qualitative und quantitative Instrumente zum Einsatz. Die Auswahl geeigneter Methoden ist stark kontextabhängig und sollte immer mit Blick auf das zu entwickelnde Kompetenzprofil.
Diese umfassen:


Abbildung: Eigene Darstellung: "Methoden der Kompetenzmessung "  
© 2025 by Jasmina Džanić 

Referenzmodelle zur Standardisierung
Zur systematischen Erfassung von Kompetenzen existieren verschiedene nationale und transnationale Rahmenwerke:
   *   Europäische Qualifikationsrahmen (EQR)
   *   Nationale Qualifikationsrahmen (NQR)
   *   DigComp

   *   DigComp AT
   *   
DigCompEdu
   *   EntreComp
   *   ResearchComp
   *   GreenComp
Diese Modelle ermöglichen eine internationale Vergleichbarkeit und Transparenz von Bildungsergebnissen und dienen als Orientierung bei der Kompetenzmodellierung in Bildung und Beruf.
Kompetenzrahmen vergleichen
Beispiele für Kompetenzrahmen
Im Folgenden liegt der Fokus auf drei zentralen Kompetenzrahmen, die im Rahmen europäischer Initiativen entwickelt wurden – dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR), dem darauf abgestimmten Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) sowie dem Digital Competence Framework (DigComp).
Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR)
Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) wurde im Jahr 2008 von der Europäischen Union als übergeordnetes Referenzinstrument eingeführt, um Qualifikationen aus unterschiedlichen nationalen Bildungssystemen vergleichbar, transparent und verständlich zu machen (vgl. Telling & Serapioni, 2019). Es handelt sich dabei um ein transnational anerkanntes Kompetenzmodell, das sowohl formale als auch non-formale und informelle Lernprozesse abbilden kann. Ziel des EQR ist es, die Mobilität von Lernenden und Arbeitnehmer:innen innerhalb Europas zu erleichtern und gleichzeitig lebenslanges Lernen sowie berufliche Weiterentwicklung zu fördern.
Der EQR ordnet Qualifikationen acht Niveaustufen zu, die anhand von Lernergebnissen – also Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen – beschrieben werden. Dadurch werden Bildungsabschlüsse nicht mehr primär über Inhalte oder Lernzeiten, sondern über tatsächlich erworbene Handlungskompetenzen vergleichbar gemacht. Der EQR bildet somit eine gemeinsame Bezugsebene für nationale Qualifikationsrahmen und trägt wesentlich zur europäischen Harmonisierung und Anerkennung von Bildungsleistungen bei.
Nationale Qualifikationsrahmen (NQR) 
Der Nationale Qualifikationsrahmen (NQR) verfolgt das Ziel, Transparenz und Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen – also Qualifikationen – im nationalen sowie im europäischen Kontext herzustellen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Art der Bildungseinrichtung, an der ein Abschluss erworben wurde, sondern die Lernergebnisse, die mit der jeweiligen Qualifikation nachgewiesen werden.
Diese Lernergebnisse beschreiben, was eine Person nach Abschluss eines Bildungsprozesses weiß, versteht und anwenden kann, und bilden die Grundlage für die Zuordnung zu einer der acht Niveaustufen des NQR, die mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) kompatibel sind.
Je nach Profil der Qualifikation können sich diese Lernergebnisse auf wissenschaftliche Disziplinen, Studienfächer oder konkrete berufliche Tätigkeitsfelder beziehen. Daraus ergibt sich, dass inhaltlich sehr unterschiedliche Qualifikationen auf derselben Niveaustufe eingeordnet werden können, ohne gleichartig zu sein. Dieses Prinzip ist zwar gleichwertig aber nicht gleichartig. Es bedeutet, dass Qualifikationen auf derselben Stufe vergleichbare Anforderungen an das Kompetenzniveau stellen, sich jedoch in Zielsetzung, Inhalt und Anwendungskontext unterscheiden können.
Damit kommt noch ein weiterer Begriff hinzugekommen: Die Qualifikation. 
Was ist eine Qualifikation? 
Eine festgelltes und zertifiziertes Set an Lernergebnissen (das gewissen Standards entspricht).
Die Empfehlung über den Europäischen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (2017) bezeichnet Qualifikation als „...das formale Ergebnis eines Bewertungs- und Validierungsprozesses, bei dem eine dafür zuständige Stelle festgestellt hat, dass die Lernergebnisse einer Person vorgegebenen Standards entsprechen;“
DigComp Framework for Citizens (DigComp)
Insbesondere DigComp hat etwa bereits Eingang in die österreichische Schulbildung gefunden. 
Der Digital Competence Framework for Citizens (DigComp) bietet ein gemeinsames Verständnis, um die Schlüsselbereiche der digitalen Kompetenz zu identifizieren und zu beschreiben. 
Dieses EU-weite Instrument soll politischen Entscheidungsträgern dabei helfen, entsprechende Initiativen zu formulieren und Bildungs- und Ausbildungsinitiativen zu planen, um die Kompetenz bestimmter Zielgruppen zu verbessern und gleichzeitig die digitale Kompetenz der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern. DigComp 2.2, die neueste Version, enthält ein Update der Beispiele für Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen im Vergleich zum Vorgänger. Es reagiert auf die gestiegenen Anforderungen an die digitale Kompetenz als Folge neuer Technologien.
Bei DigComp umfasst digitale Kompetenz den "bewussten, kritischen und verantwortungsvollen Einsatz und die Auseinandersetzung mit digitalen Technologien für das Lernen, die Arbeit und die Teilhabe an der Gesellschaft. Es ist definiert als eine Kombination von Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen. (Empfehlung des Rates zu Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen, 2018). 
Der DigComp-Rahmen identifiziert die Schlüsselkomponenten der digitalen Kompetenz in 5 Bereichen:

Abbildung: Eigene Darstellung: "5 Bereiche digitaler Kompetenzen nach DigiComp"  
© 2025 by Jasmina Džanić 

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