Abbildung & Lizenz: “KI Kompetenzen: Von “Nice to have” zur strategischen Notwendigkeit” 

2026 von Jasmina Džanić ist lizenziert unter CC BY-SA 4.0





Abbildung & Lizenz: “KI Kompetenzen: Von “Nice to have” zur strategischen Notwendigkeit” 

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Warum sie heute entscheidend sind – für Hochschule und Unternehmen gleichermaßen
Künstliche Intelligenz ist keine Zukunftsfrage mehr, sondern gegenwärtige Praxis und die Kompetenzlücke wächst schneller, als Bildungssysteme und Organisationen sie schließen können. In der EU nutzen bereits 30 % der Beschäftigten KI-Systeme in ihrer Arbeit, doch 42 % berichten von deutlichen Lücken bei ihren KI-bezogenen Fähigkeiten und nur 15 % haben dazu je eine formale Schulung erhalten (Cosgrove & Cachia, 2025). Der Weltwirtschaftsforum-Bericht Future of Jobs 2025 bestätigt dieses Bild aus Unternehmenssicht: 39 % der Kernkompetenzen der globalen Belegschaft werden sich bis 2030 verändern, und 63 % der Arbeitgeber:innen nennen die Kompetenzlücke als größte Hürde für die digitale Transformation ihres Unternehmens (World Economic Forum, 2025). KI-Kompetenz ist damit längst kein IT-Thema mehr, sondern eine Querschnittsaufgabe für Hochschulen, Erwachsenenbildung und Organisationen jeder Größe.
Regulatorischer Rahmen:
die KI-Kompetenzpflicht im EU AI Act
Mit Artikel 4 des EU AI Act besteht seit Februar 2025 eine unmittelbare rechtliche Verpflichtung: Anbieter und Betreiber von KI-Systemen müssen sicherstellen, dass ihr Personal und alle Personen, die in ihrem Auftrag mit KI-Systemen umgehen, über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügen (European Union, 2024). Diese Pflicht betrifft explizit sowohl Unternehmen als auch Bildungseinrichtungen und macht KI-Kompetenzentwicklung von einer freiwilligen Zusatzqualifikation zu einer Compliance-relevanten Notwendigkeit.
DigComp 3.0:
KI als integraler Bestandteil digitaler Kompetenz
Im November 2025 hat die Europäische Kommission mit DigComp 3.0 die fünfte Auflage des europäischen Referenzrahmens für digitale Kompetenz veröffentlicht (Cosgrove & Cachia, 2025). Die zentrale Neuerung: KI wird nicht als eigener, abgegrenzter Kompetenzbereich behandelt, sondern systematisch in alle 21 Kompetenzen der fünf bestehenden Bereiche integriert – Informations- und Datenkompetenz, Kommunikation und Kollaboration, Content-Erstellung, Sicherheit und Wohlbefinden sowie Problemlösung. Jedes der über 500 neuen Lernergebnisse ist danach gekennzeichnet, ob es einen expliziten KI-Bezug hat (z. B. KI-Ausgaben kritisch bewerten) oder einen impliziten (z. B. die Glaubwürdigkeit KI-kuratierter Inhalte einschätzen). Diese Integration spiegelt eine wichtige Erkenntnis wider: KI-Kompetenz bedeutet nicht, Machine-Learning-Algorithmen zu verstehen, sondern KI-Systeme im Alltag kompetent zu nutzen, ihre Grenzen realistisch einzuschätzen und ihre Ergebnisse kritisch zu prüfen. Wie bei den übrigen DigComp-Kompetenzen wird auch hier zwischen vier Niveaustufen unterschieden – von grundlegend bis hoch fortgeschritten –, was die Anwendung sowohl in der Hochschullehre als auch in unternehmensinternen Weiterbildungsprogrammen erleichtert.
Für die Hochschullehre:
UNESCO-Rahmenwerke für Lehrende und Studierende
Parallel dazu hat die UNESCO 2024 zwei eigenständige, aufeinander abgestimmte Rahmenwerke veröffentlicht. Das AI Competency Framework for Teachers definiert 15 Kompetenzblöcke in fünf Dimensionen – von einer grundlegend menschzentrierten Haltung über KI-Ethik bis zur pädagogischen Anwendung und beruflichen Weiterentwicklung –, gestaffelt in drei Progressionsstufen (Miao & Cukurova, 2024). Zentral ist dabei der Anspruch, menschliche Handlungsfähigkeit (human agency), Verantwortlichkeit und die Rechte Lehrender aktiv zu schützen, statt KI unreflektiert in bestehende Lehrpraxis zu integrieren. Das parallele AI Competency Framework for Students überträgt diesen Ansatz auf Studierende und Lernende: 12 Kompetenzen in vier Dimensionen – menschzentrierte Denkweise, KI-Ethik, KI-Technik und -Anwendungen sowie KI-Systemdesign – sollen junge Menschen dazu befähigen, KI nicht nur zu nutzen, sondern verantwortungsvoll mitzugestalten (UNESCO, 2024).
Für Unternehmen:
differenzierte KI-Kompetenz nach Rolle und Verantwortung
Für Organisationen liegt der Mehrwert dieser Rahmenwerke gerade in ihrer Differenzierbarkeit: Eine Kundenservice-Mitarbeiterin, die einen KI-Chatbot bedient, benötigt ein anderes Kompetenzprofil als eine Führungskraft, die strategische Entscheidungen über den KI-Einsatz trifft – beide benötigen jedoch eine gemeinsame Basis an KI-Grundkompetenz (Cosgrove & Cachia, 2025). Der WEF-Bericht bestätigt, dass Unternehmen diese Differenzierung bereits aktiv angehen: 85 % der befragten Arbeitgeber:innen planen, ihre Belegschaft im Umgang mit KI weiterzubilden, zwei Drittel wollen gezielt Fachkräfte mit KI-Kompetenzen einstellen (World Economic Forum, 2025). Wichtig dabei: Technisches KI-Wissen allein genügt nicht – gefragt sind ebenso kritisches Denken, ethisches Urteilsvermögen und die Fähigkeit, KI-Ausgaben nicht unreflektiert zu übernehmen, sondern fundiert einzuordnen.
Der gemeinsame Kern:
was für Hochschule und Unternehmen gleichermaßen gilt
So unterschiedlich die Kontexte sind, so deutlich zeigt sich ein gemeinsamer Kern über alle genannten Rahmenwerke hinweg: Erstens ein menschzentrierter Ansatz, der KI als Werkzeug zur Unterstützung menschlicher Urteilskraft versteht – nicht als deren Ersatz. Zweitens die Fähigkeit, KI-Ausgaben kritisch zu evaluieren statt sie unreflektiert zu übernehmen. Drittens ein Bewusstsein für ethische Implikationen wie Bias, Datenschutz und gesellschaftliche Auswirkungen. Und viertens die Erkenntnis, dass KI-Kompetenz gestuft und rollenspezifisch entwickelt werden muss – ein Prinzip, das sich in DigComp 3.0 ebenso wiederfindet wie in den UNESCO-Rahmenwerken und den betrieblichen Weiterbildungsstrategien, die der WEF-Bericht beschreibt.
Quellen
Cosgrove, J., & Cachia, R. (2025). DigComp 3.0: The European digital competence framework – Fifth edition (JRC144121). Publications Office of the European Union. https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC144121
European Union. (2024). Regulation (EU) 2024/1689 of the European Parliament and of the Council of 13 June 2024 laying down harmonised rules on artificial intelligence (Artificial Intelligence Act). Official Journal of the European Union. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/1689/oj
Miao, F., & Cukurova, M. (2024). AI competency framework for teachers. UNESCO. https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000391104
UNESCO. (2024). AI competency framework for students. https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000391105
World Economic Forum. (2025). Future of jobs report 2025. https://www.weforum.org/publications/the-future-of-jobs-report-2025/

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