In einer zunehmend digitalen und vernetzten Bildungswelt gewinnen offene Bildungsressourcen (OER) immer mehr an Bedeutung. Doch was genau steckt hinter diesem Begriff? Und welche Rolle spielen dabei Creative-Commons-Lizenzen (CC)?
Was sind OER?
Open Educational Resources (OER) sind frei zugängliche, offen lizenzierte Lehr- und Lernmaterialien, die kostenlos genutzt, weitergegeben und – je nach Lizenz – auch bearbeitet werden dürfen. Dazu zählen unter anderem:
Arbeitsblätter, Präsentationen, Lehrbücher
Audio- und Videoinhalte
​​​​​​​Interaktive Übungen oder komplette Kursmodule
Ziel von OER ist es, Bildung zugänglicher, kollaborativer und flexibler zu gestalten. Lehrende können OER nutzen, um ihren Unterricht zu bereichern, Materialien individuell anzupassen oder Inhalte mit Kolleg_innen zu teilen.​​​​​​​
Der Schlüssel: Creative Commons (CC)
Damit Materialien als OER gelten, müssen sie mit einer offenen Lizenz versehen sein – hier kommen die Creative-Commons-Lizenzen ins Spiel. Sie ermöglichen Urheber_innen, festzulegen, wie andere ihr Werk nutzen dürfen.
Die vier kombinierbaren CC-Bausteine:
CC BY (Namensnennung): 
   Der Name des Urhebers muss genannt werden (immer erforderlich).
CC SA (Share Alike - Weitergabe unter gleichen Bedingungen):
   Bearbeitungen müssen unter der gleichen Lizenz weitergegeben werden.
CC ND (No Derivs - Keine Bearbeitungen):
   Das Werk darf nicht verändert werden.
CC NC (Non Commercial - Nicht kommerziell):
   Keine Nutzung für kommerzielle Zwecke.
Die einfachste und offenste Lizenz ist CC BY, bei der lediglich die Urhebernennung verpflichtend ist. Sie eignet sich besonders für Open Access.
Wer bestimmte Nutzungen einschränken möchte, kann zusätzliche Bedingungen wählen (z. B. NC oder ND). Bedenke dabei, dass Einschränkungen die Weiterverwendbarkeit reduzieren – daher sollten sie bewusst und informiert gesetzt werden.
Weiters lassen sich diese vier Bausteine zu sechs standardisierten Lizenzen kombinieren.



Abbildung & Lizenz: "Vier CC Bausteine" 
© 2025 by Jasmina Džanić is licensed under CC BY SA 4.0 ​​​​​​​




Abbildung & Lizenz: "6 standardisierten Lizenzen " 
© 2025 by Jasmina Džanić is licensed under CC BY SA 4.0 ​​​​​​​

Die Vorteile von OER und CC
Rechtssicherheit: Durch CC-Lizenzen ist klar geregelt, was erlaubt ist, kein Risiko von                      Urheberrechtsverstößen.
Zeitersparnis: Viele hochwertige Materialien stehen zur direkten Nutzung bereit.
Flexibilität: Inhalte können angepasst, kombiniert oder aktualisiert werden.
Kollaboration: Lehrende können gemeinsam Inhalte entwickeln und verbessern.
​​​​​​​Transparenz: Die Lizenzbedingungen sind klar erkennbar und verständlich.
Wie kann man Materialien kombinieren?
Ein großer Vorteil von OER: Man darf verschiedene Materialien zu einem neuen Werk verbinden.
Aber Achtung: Nicht alle Lizenzen sind miteinander kombinierbar. 
Hier einige Grundregeln:
Werke mit ND (Keine Bearbeitungen) dürfen nicht kombiniert oder verändert werden.
Wenn man Material mit SA (Share Alike) nutzt, muss das eigene Werk unter der gleichen Lizenz                 weitergeben werden.
Kombiniere immer nur Materialien mit kompatiblen Lizenzen
Tipp: Je offener die Lizenz (z. B. CC BY oder CC BY-SA), desto einfacher ist die Wiederverwendung und Kombination.
Wie finde ich die passende Lizenz für mein eigenes Material?
Wenn du eigene Lehrmaterialien erstellen und veröffentlichen möchtest, stellt sich die Frage: 
Welche Lizenz passt zu meinem Werk?
Überlege:
   ➡️   Möchte ich, dass andere mein Werk bearbeiten dürfen?
   ➡️   Soll es auch kommerziell genutzt werden dürfen?
   ➡️   Müssen Bearbeitungen unter der gleichen Lizenz erfolgen?
   ➡️   Nutze den LICENSE CHOOSER von Creative Commons
Dort geben Sie Ihre Präferenzen ein und erhalten den passenden Lizenztext inklusive Icons und Formulierungsvorschlägen für Ihre Veröffentlichung.

Kennzeichne deine Materialien deutlich:
    ➡️   Direkt im Dokument oder auf der Website 
            (z. B. „Dieses Werk steht unter der Lizenz CC BY 4.0“)
    ➡️   Idealerweise mit Link zur Lizenzbeschreibung
Empfehlung: CC BY – die beste Wahl für Wissenschaft und Bildung
Warum CC BY?
Die Lizenz CC BY (Namensnennung) ist die offenste und flexibelste CC-Lizenz, bei der lediglich die Urheber_innen angemessen genannt werden müssen – was im wissenschaftlichen Kontext ohnehin üblich ist.
Gut für Open Access, Sichtbarkeit & Fortschritt
   *   CC BY ist vollständig Open-Access-kompatibel
   *   Ermöglicht nicht nur freien Zugang, sondern auch freie Nachnutzung, Bearbeitung und                      Weiterverbreitung
   *   Unterstützt den offenen, transparenten und kollaborativen Charakter von Wissenschaft
   *   Hohe Reichweite und Auffindbarkeit wissenschaftlicher Werke
   *   Erleichtert Zitierbarkeit, Übersetzung, Weiterverwendung und Integration in andere                             Formate
   *   Wissenschaft basiert auf dem Prinzip des Aufbauens auf bestehendem Wissen
   *   Frei lizenzierte Inhalte können einfacher in neue Forschungsarbeiten und                                           Lehrmaterialien eingebunden werden
   *   Wer offen teilt, ermöglicht dies den anderen ebenso – eine Win-Win-Situation
Häufige Fragen 
Wie läuft die Auswahl einer Lizenz ab? Kann ich die Lizenz immer frei wählen?
Die Auswahl einer Lizenz für eine Open-Access-Publikation erfolgt in der Regel durch die Autor:innen – der Handlungsspielraum ist jedoch unterschiedlich groß, je nach Publikationsart und Rahmenbedingungen.

Bei Zeitschriftenartikeln ist oft eine Standardlizenz (z. B. CC BY) vorgegeben, die nicht verändert werden kann. In manchen Fällen ist eine abweichende Lizenzwahl über ein Opt-out möglich, ein vollständiger Verzicht auf eine Lizenz ist jedoch meist ausgeschlossen.
Bei Büchern entscheiden Autor:innen in Absprache mit dem Verlag, meist im Rahmen des Publikationsvertrags. Zwar gibt es hier häufiger Wahlfreiheit, doch viele Verlage machen Lizenzvorgaben oder geben Empfehlungen, teils mit einer Präferenz für restriktive Lizenzen.
Bei Repositorien, Preprint-Servern oder Hochschulveröffentlichungen (z. B. Dissertationen, Diskussionspapiere, Forschungsberichte) wählen die Autor:innen die Lizenz im Publikationsprozess selbst – meist aus einer vordefinierten Auswahl.
Zudem können Forschungsförderinstitutionen oder Publikationsfonds bestimmte Lizenzen als Voraussetzung für die Förderung verlangen. Diese Vorgaben haben direkten Einfluss auf die Lizenzwahl und müssen bei der Planung einer Publikation beachtet werden.

Warum gilt die Lizenz CC BY als Standard für Open-Access-Publikationen?
Diese Lizenz gilt als Standard, weil sie die maximale Freiheit bei der Nachnutzung wissenschaftlicher Inhalte ermöglicht. Sie erlaubt es, Werke zu kopieren, zu verbreiten, zu bearbeiten und für beliebige Zwecke zu verwenden, solange die Urheberschaft korrekt angegeben wird. Diese weitreichende Freiheit fördert die Verbreitung und Sichtbarkeit von Forschung und ermöglicht eine einfache Nachnutzung ohne komplizierte rechtliche Hürden. Das entspricht dem Prinzip von Open Access, das nicht nur freie Verfügbarkeit, sondern auch die freie Nachnutzung wissenschaftlicher Inhalte fördert. Die Berliner Erklärung über den offenen Zugang hat diese Definition von Open Access als Ziel formuliert.

Was ist CC0 (Creative Commons Zero)?
CC0 (Creative Commons Zero) ist eine Freigabeoption, bei der Rechteinhaber auf alle Urheberrechte an einem Werk verzichten und es zur bedingungslosen Nutzung freigeben. Im Gegensatz zur Lizenz CC BY, bei der eine Namensnennung erforderlich ist, entfällt bei CC0 die Bedingung der Namensnennung vollständig. Ein Werk mit der CC0-Freigabe kann für jeden legalen Zweck genutzt, bearbeitet, verbreitet und veröffentlicht werden, ohne durch Lizenzbedingungen eingeschränkt zu werden.
CC0 sollte jedoch nicht mit Gemeinfreiheit – auch genannt Public Domain -  verwechselt werden. Gemeinfreie Werke sind solche, bei denen der urheberrechtliche Schutz abgelaufen ist oder nie bestand. Die CC0-Freigabe betrifft ein urheberrechtlich geschütztes Werk, das der Urheber für quasi-gemeinfreie Nutzung freigibt. 
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Was ist der Unterschied zwischen einer Nutzung und einer Nachnutzung?
Der Unterschied zwischen Nutzung und Nachnutzung liegt darin, dass Nachnutzung eine spezielle Form der Nutzung darstellt. Während „Nutzung“ allgemein die Verwendung eines Werks beschreibt, wie etwa das Lesen, Hören oder Ansehen, bezieht sich „Nachnutzung“ auf die Verwendung eines Werks oder eines Teils davon im Rahmen eines neuen Werks oder einer neuen Schöpfung. Dazu zählen beispielsweise die Verwendung von Inhalten in einer neuen Veranstaltung, Aufführung oder einem anderen kreativen Projekt. Nachnutzung fokussiert sich also auf die Integration und Weiterverarbeitung eines Werks in einen neuen Kontext, während eine einfache Nutzung das Werk unverändert bleibt. Letztlich ist Nachnutzung ein Teilbereich der Nutzung, kein völlig separates Konzept.
Ich freue mich ein OER-Zertifikat bzw. OER Practitioner zu sein: 
P-2026-019 Jasmina Dzanic, Universität für Weiterbildung Krems

Weitere Informationen, Materialien und Zertifizierungen sind hier aufgelistet.
Weitere Informationen bezüglich OER im Hoch­schul­raum Österreich findet ihr unter
OER-Open Education Austria:

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