​​​​​​​Kompetenz definieren
Das Kompetenzkonzept in der EU ist von Beginn an durch begriffliche Unschärfe und Ambiguität geprägt (Kennedy et al., 2009; Telling & Serapioni, 2019). Dennoch spielt es seit über 25 Jahren eine zentrale Rolle in der europäischen Bildungspolitik. Ziel ist es, durch Kompetenzrahmen die Bildungssysteme Europas zu harmonisieren und Bürger:innen auf die Anforderungen einer globalisierten, wissensbasierten Wirtschaft vorzubereiten. Bereits in den 1970er Jahren wuchs die gesellschaftliche Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem, da Fachwissen zunehmend schneller veraltete (Telling & Serapioni, 2019). Einen entscheidenden Impuls setzte der Europäische Rat mit der Lissabon-Strategie im Jahr 2000: Die EU erklärte das Ziel, zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu werden – mit nachhaltigem Wachstum, hochwertigen Arbeitsplätzen und einem gestärkten sozialen Zusammenhalt (Europäischer Rat, 2000).
Aufschwung des lebensbegleitenden & kompetenzorientierten Lernens
Mit dem strategischen Ziel der Lissabon-Strategie erlebten sowohl das lebensbegleitende als auch das kompetenzorientierte Lernen einen nachhaltigen Aufschwung. Die europäischen Bildungs- und Ausbildungssysteme sollten gezielt auf die Anforderungen der Wissensgesellschaft sowie auf den Bedarf an mehr und besserer Beschäftigung reagieren. Lernangebote wurden zunehmend auf unterschiedliche Zielgruppen und Lebensphasen zugeschnitten, um lebenslanges Lernen als zentrales Element des europäischen Gesellschaftsmodells zu etablieren. Dies sollte unter anderem durch Vereinbarungen zwischen Sozialpartnern zu Innovation und kontinuierlichem Lernen gefördert werden. Ein europäischer Rahmen sollte definieren, welche neuen Grundfertigkeiten – darunter IT-Kenntnisse, Fremdsprachen, technologische Kompetenz, Unternehmergeist und soziale Fähigkeiten – durch lebenslanges Lernen vermittelt werden sollen (Europäischer Rat, 2000).
Ein zentrales transnationales Ziel war und ist dabei die einheitliche Definition von Kompetenzen. Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten arbeiten gemeinsam an der Förderung von Schlüsselkompetenzen über alle Altersgruppen hinweg. Im Fokus stehen eine qualitativ hochwertige allgemeine und berufliche Bildung sowie die Stärkung lebenslangen Lernens. Gleichzeitig werden Bildungspersonal bei der Umsetzung kompetenzbasierter Ansätze unterstützt und Methoden zur Bewertung und Validierung von Schlüsselkompetenzen weiterentwickelt.
Empfohlene Schlüsselkompetenzen
Der Rat der Europäischen Union hat eine Empfehlung zu Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen herausgegeben.
Diese Empfehlung definiert acht Schlüsselkompetenzen, die für die persönliche Entwicklung, einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil, die Beschäftigungsfähigkeit, aktive Bürgerschaft und soziale Inklusion als wesentlich erachtet werden:​​​​​​​
Warum diese Empfehlungen?
Die Empfehlung des Rates dient als gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für politische Entscheidungsträger, Bildungsanbieter, Sozialpartner und Lernende
Sie identifiziert zudem erfolgreiche Ansätze zur Förderung der Kompetenzentwicklung durch innovative Lernmethoden, Bewertungstechniken und Unterstützung für das Bildungspersonal. Das Ziel ist es, die Kompetenzentwicklung in der gesamten EU zu vereinheitlichen und zu fördern (Europäische Kommission, 2022).​​​​
Schlüsselkompetenzen vs. Schüsselqualifikationen
​​​​​​​Schlüsselkompetenzen sind für lebenslanges Lernen jene Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen, die alle Menschen benötigen, um sich persönlich zu entfalten, ein gesundes und nachhaltiges Leben zu führen, beruflich erfolgreich zu sein, aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben und soziale Inklusion zu fördern (Rat der europäischen Union, 2018). Einstellungen und Wissenselemente, die Menschen dabei helfen, sich in unterschiedlichen beruflichen und gesellschaftlichen Kontexten zurechtzufinden. Sie ergänzen das Fachwissen und ermöglichen es, dieses flexibel und wirkungsvoll anzuwenden. Schlüsselqualifikationen sind kein Fachwissen, sondern ermöglichen den kompetenten Umgang mit fachlichem Wissen. Diese Fähigkeiten werden oft in Kategorien wie Sozialkompetenz, Selbstkompetenz oder Methodenkompetenz unterteilt und sind in Bewerbungsprozessen und im Berufsalltag genauso wichtig wie fachliche Qualifikationen (Hard Skills).
Definition der drei Kompetenzdimensionen: 
Kenntnisse, Fertigkeiten und Einstellungen
Die EU definiert Kompetenz als Zusammenspiel von Kenntnissen, Fertigkeiten und Einstellungen
(Rat der EU, 2018):
Kenntnisse: Fakten, Konzepte und Theorien, die das Verständnis eines Fachgebiets fördern.
Fertigkeiten: Die Fähigkeit, Wissen anzuwenden und Aufgaben auszuführen, um Ergebnisse zu erzielen.
Einstellungen: Die Bereitschaft zu handeln sowie Haltungen und Denkweisen gegenüber Situationen, Ideen oder Personen.
Kompetent ist, wer Wissen, Fertigkeiten und Einstellungen kombiniert und situationsgerecht einsetzt – etwa im Alltag oder Beruf. Trotz dieser allgemeinen Übereinkunft bleibt der Begriff vage: Welche Inhalte konkret relevant sind und wie Kompetenz gemessen wird, hängt stark vom jeweiligen Kontext ab. Eine valide Kompetenzmessung erfordert über reines Faktenwissen hinausgehende, handlungsorientierte Verfahren.
Kompetenz vs. Performance
Die Begriffe Kompetenz und Performance werden oft gemeinsam verwendet, meinen aber Unterschiedliches.
Kompetenz bezeichnet das innere Potenzial einer Person: also das Wissen, die Fähigkeiten, Einstellungen und Bereitschaften, die jemand besitzt, um bestimmte Aufgaben zu bewältigen. Sie ist unsichtbar, solange sie nicht angewendet wird.
Performance hingegen ist die sichtbare Umsetzung dieser Kompetenz in konkretem Verhalten oder Handeln. Sie zeigt sich z. B. in einer Präsentation, einem Gespräch oder einer praktischen Aufgabe. Ob eine Person ihr Wissen und Können zeigt, hängt von ihrer Motivation und den jeweiligen Anforderungen ab. (Christine W. Trültzsch-Wijnen, 2020)

Kurz auf den Punkt gebracht: 
„Man muss es nicht nur können, man muss es auch zeigen.“

Abbildung & Lizenz: "Kompetenz vs. Performace " 
© 2025 by Jasmina Džanić is licensed under CC BY SA 4.0 ​​​​​​​

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